Horchheimer laden auf den Hof

Programm des HCV hat ländliches Leben als Motto

Seit fast zwei Jahrzehnten besticht der Horchheimer Carneval-Verein (HCV) schon mit Sitzungen, die unter ein bestimmtes Motto gestellt sind. Entführte man in den vergangenen Jahren das närrische Publikum unter anderem nach Italien, Spanien oder in den Camping-Urlaub, so hatte man die beiden Sitzungen dieser Session unter das Motto Bauernhof gestellt. Und nicht nur das, angelehnt an die TV-Reihe "Bauer sucht Frau", wurde das Motto noch in "Hubi sucht Frau" verfeinert. Ein trefflicher Gag, denn die beiden Sitzungspräsidenten, Hubi Braun und Christoph Poth, gaben ein herrliches Paar ab. Während Hubi Braun mit Gummistiefeln, Fellmütze und Arbeitsjacke direkt dem Kuhstall entstiegen schien, hatte Christoph Poth sich in ein Frauenkostüm geworfen, das wohl der Erotik der 50er-Jahre auf dem Land entsprach.

Die mehr als fünfstündige Sitzung bestach nicht nur wegen ihres Mottos und der trefflichen Kommentare der beiden Präsidenten. Auch das Programm ließ keine närrischen Wünsche offen, vor allem weil man sehr starke Redner präsentierte. Dass der Alltag für eine gelungene Büttenrede dabei eine gute Vorlage liefert, bewies unter anderem Georg Greifenstein. Mit toller Theatralik beschrieb er die Leiden eines Mannes, der von seiner Frau zu einer samstäglichen Shoppingtour durch die Stadt genötigt wird. Ebenfalls ein tolles Thema hatte Michael Münch sich gewählt. Im Outfit dem Alt-Hippie Rainer Langhans ähnelnd, nahm er gekonnt und äußerst spitzzüngig die Esoterik-Bewegung aufs Korn. Die Politik in der Stadt hatten sich Hans Nobel und Protokollerin Karin Cajetan vorgeknöpft. Hans Nobel trat mit seinen "Koblenzer Kostbarkeiten" dabei zum letzten Mal in einer Session auf - er wird der Kowelenzer Faasenacht fehlen. Ebenfalls bekannte Büttendarsteller im Koblenzer Karneval sind Leo Wingen sowie Harald Hühnerfeld und Thomas Nobel. Während Leo Wingen, der zuvor oftmals als Franzose mit Baskenmütze in die Bütt gestiegen war, in diesem Jahr den Kaiser Wilhelm gibt, glänzten Harald Hünerfeld und Thomas Nobel wieder mit ihrem Zwiegespräch, das immer mehr an das Colonia-Duett erinnert. Neben so viel starken Redebeiträgen hatte es der Tanz nicht leicht. Der HCV ist allerdings in der komfortablen Lage, selbst ein hervorragendes Ballett zu besitzen. Auch in diesem Jahr brillierten es wieder mit einem tollen Showtanz, der an Dynamik und Akrobatik keine Wünsche offen ließ. Und dass man sich auch in ein paar Jahren an eine so tolle Choreografie erinnern wird, bewies der Nachwuchs des HCV-Balletts, der, als Zwerge verkleidet, einen exzellenten Auftritt bot.

Dem äußerst gelungenen und humorvollen Treiben in der Narrhalla im Soldatenheim statteten Prinz Udo I. und Confluentia Susi mit ihrem Gefolge nicht nur einen Besuch ab, sondern sie integrierten sich mit ins Programm. Während Prinz Udo seine Künste am Melkschemel versuchte, hatte Confluentia Susi ihr Ornat gegen das Gewand einer Bäuerin getauscht. Handgemachter Karneval, der mit viel Mutterwitz die Zuschauer zu Recht begeisterte. (Peter Karges)


Rhein-Zeitung - Ausgabe Koblenz und Region vom 28.02.2011, Seite 10.


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